Drei Fragen an die Stipendiatinnen und Stipendiaten 2016

Daniela Ruppen (1983) verfügt über eine Dissertation in Archäologie von der Universität Basel und hat Forschungsaufenthalte in Rom und London absolviert.

Daniela Ruppen, warum würden Sie sich noch einmal für ein Politikstipendium bewerben?

Das Jahr im Bundeshaus war eine äusserst spannende, interessante und wertvolle Erfahrung und diente mir ausserdem als Sprungbrett für meine jetzige Stelle.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten lernen in ihrem Jahr im Bundeshaus, wie Politik funktioniert und wie die Wissenschaft mit Politikerinnen und Politikern kommunizieren kann. Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse zu diesen Fragen?

Der privilegierte Blick hinter die Kulissen ermöglicht es, Entscheidungsfindungen und politisches Taktieren hautnah als Beobachter zu erleben. Im Rahmen der Beratung der BFI-Botschaft erfuhr ich ausserdem, wie sich die Wissenschaftsorganisationen und ihre Lobby positionierten. In der Arbeit der Kommissionen zeigte sich, dass Erkenntnisse der Wissenschaft von den Politikern zwar immer wieder als Argumente ins Feld geführt werden, aber ich denke, es gibt nach wie vor Verbesserungspotenzial in der Vermittlung von wissenschaftlichen Fakten und Grundlagen von Seiten der Wissenschaftscommunity. 

Was sind Ihre beruflichen Ziele nach dem Stipendium?

Mein berufliches Ziel war und ist es, weiterhin an der Schnittstelle zwischen Politik und Wissenschaft zu arbeiten. Nach dem Jahr bei den Parlamentsdiensten wollte ich die "andere Seite", d.h. die Arbeitsweise der Bundesverwaltung, kennenlernen und mich thematisch weiterbilden. Meine jetzige Stelle beim EDA ermöglicht mir genau das.

Raymond Buser Raymond Buser (1981) hat Chemie an der ETH Lausanne studiert und an der ETH Zürich in Biochemie doktoriert, wo er von 2013 bis 2015 als Postdoc arbeitete.

Raymond Buser, warum würden Sie sich noch einmal für ein Politikstipendium bewerben?

Während meines Stipendiums entwickelte ich eine grosse Leidenschaft für die Schweizer Politik. Mein Ziel war, zu verstehen, inwiefern die Wissenschaft in die 

Schweizer Gesetzgebungsmechanismen Einzug hält. Aus dieser Perspektive bot das Politikstipendium einen privilegierten Einblick, den ich auf jeden Fall weiterempfehlen würde. Aus nächster Nähe konnte ich Entscheidungsabläufe am „Puls der Politik“ erleben und den Platz der Wissenschaft in der Politik besser verstehen. Dadurch wurden mir auch die Rolle sowie die Grenzen der wissenschaftlichen Ansätze vertraut. Gleichzeitig hat mir das Stipendium erlaubt ein breites Netzwerk aufzubauen. Dies nicht nur in der Schweizer Politik und der Bundesverwaltung, sondern auch durch externe Sachverständige und ehemalige Stipendiaten.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten lernen in ihrem Jahr im Bundeshaus, wie Politik funktioniert und wie die Wissenschaft mit Politikerinnen und Politikern kommunizieren kann. Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse zu diesen Fragen?

Es ist mir ein Anliegen, dass die politischen Entscheidungen so gut wie möglich von wissenschaftlicher Information unterstützt werden und davon abhängig sind. Leider ist es heute so, dass in einer von „Fake News“ gefärbten Weltpolitik die Wissenschaft sich nicht immer durchsetzen kann. In der Schweizer Politik sind solche Phänomene teilweise auch zu beobachten. Der Einfluss von Lobbys und Interessengruppen führt dazu, dass Fakten ignoriert oder für die eigenen Interessen umformuliert werden. Die Entscheidungen im Bundeshaus sollen politisch motiviert sein, dennoch wurde mir während meines Jahres bei den Parlamentsdienste bewusst, wie der Ablauf eines Geschäftes von einer wissenschaftlichen Vorbereitung gelenkt werden kann. Wenn vollständige Unterlagen vorliegen, werden Kommissionsdiskussionen effizienter, sachlicher und neutraler geführt. Ich denke, dass die Schweiz auf Strukturen wie die Parlamentsdienste stark angewiesen ist und würde behaupten, dass es mehr Möglichkeiten für unabhängige Wissenschaftler geben sollte, die Politik zu unterstützen.

Was sind Ihre beruflichen Ziele nach dem Stipendium?

Ich werde mich im Gesundheitswesen weiterentwickeln. Meine Ziele: komplexe Vorlagen im Bereich Gesundheit zu begleiten und sicherzustellen, dass die Politik sachlich darüber ent-scheidet. Momentan bin ich noch im Bewerbungsprozess für verschiedene Verwaltungsstellen wie auch für Positionen in der Privatwirtschaft. Ich betrachte das Stipendium als ideale Vorbereitung für meine Ziele und würde das Jahr im Bundeshaus jedem, der ein Interesse hat, sich für eine wissenschaftliche Politik einzusetzen, empfehlen.


Ivo Rogic
Ivo Rogic (1981) hat an der Universität Freiburg seine Dissertation in Gegenwartsgeschichte abgeschlossen.

Ivo Rogic, perché si candiderebbe di nuovo per una borsa “politica e scienza”?

La borsa mi permette di sviluppare nuove conoscenze (sapere) e competenze (savoir-faire) nel campo dell’attualità nazionale e internazionale in un quadro interdisciplinare e a contatto con numerosi attori collettivi: tra politica, diritto, economia, finanze, media e società civile. Da questo punto di vista si tratta di un’apertura a 360°. Inoltre, ripeterei l’esperienza in quanto essa porta a una migliore scoperta delle procedure parlamentari, quindi a una maggiore coscienza della loro complessità, e all’arricchimento umano attraverso lo sviluppo di numerose relazioni interpersonali in un contesto altamente plurilinguistico.

Ivo Rogic, warum würden Sie sich noch einmal für ein Politikstipendium bewerben?

Das Stipendium gibt mir neue Kenntnisse und Fähigkeiten in nationalen und internationalen Veranstaltungen, dies in einem stark interdisziplinären Rahmen und im Kontakt mit zahlreichen institutionellen Akteuren zwischen Politik, Recht, Wirtschaft, Finanzen, Medien und Zivilgesellschaft. So gesehen eröffnet das Politikstipendium eine 360-Grad-Perspektive. Darüber hinaus half mir das Jahr im Bundeshaus, die Verfahren im Parlament zu entdecken und zu verstehen, wie komplex sie sind. Das Stipendium war auch im zwischenmenschlichen Sinn eine Bereicherung. Ich konnte viele Beziehungen in einem vielsprachigen Umfeld aufbauen.

Durante il loro anno al Palazzo federale, i borsisti imparano come funziona la politica e come la scienza può meglio comunicare con le istituzioni politiche. Quali sono le sue principali conclusioni su questi temi?

Per favorire lo scambio, il Parlamento potrebbe creare un nuovo segretariato scientifico inter-commissionale. Il nuovo segretariato sarebbe sgravato dai compiti amministrativi, pianificatori e di comunicazione per concentrarsi nell’individuazione di temi pertinenti (politica e scienza), nell’organizzazione di audizioni di specialisti e nella ricerca tematica che supera la selezione di fonti in libero accesso per produrre note di sintesi, di analisi e interviste, indipendentemente dal contributo fornito dall’amministrazione federale o dalle sensibilità politiche presenti in commissione. Da parte sua, il mondo scientifico potrebbe promuovere eventi di volgarizzazione scientifica ad hoc per i politici, allontanandosi dal corso magistrale per favorire invece la partecipazione attiva di questi. Una via più istituzionale vedrebbe la creazione di un “Forum politica e scienza del Paese”, ossia un luogo di scambio volto alla captazione della domanda politica verso la scienza, da una parte, e delle esigenze della scienza verso la politica, d’altra parte.  

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten lernen in ihrem Jahr im Bundeshaus, wie Politik funktioniert und wie die Wissenschaft mit Politikerinnen und Politikern kommunizieren kann. Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse zu diesen Fragen?

Um den Austausch zwischen Wissenschaft und Politik zu fördern, könnte das Parlament ein neues wissenschaftliches Sekretariat bilden, das mit allen Kommissionen zusammenarbeitet. Es sollte sich nicht mit Verwaltung, Planung und Kommunikation befassen, sondern sich auf die Identifikation relevanter Themen im Bereich Politik und Wissenschaft konzentrieren, Anhörungen von Fachleuten organisieren und thematische Recherchen betreiben, um anhand der frei zugänglichen Quellen Synthesepapiere, Analysen und Reviews zu erstellen, unabhängig von den Beiträgen der Bundesverwaltung und von den politischen Sensibilitäten in den Kommissionen. Andererseits könnte die wissenschaftliche Welt Veranstaltungen organisieren, an denen wissenschaftliche Themen verständlich für die Politik kommuniziert werden, wobei statt eines Top-down-Ansatzes die aktive Partizipation der Politiker gefördert werden sollte. Auf einer mehr institutionellen Ebene könnte man ein „Nationales Forum für Wissenschaft und Politik“ schaffen, einen Ort des Austauschs, an dem die Bedürfnisse der Politik gegenüber der Wissenschaft erfasst werden könnten, ebenso wie die Anforderungen der Wissenschaft gegenüber der Politik.

Quali sono i suoi obiettivi professionali dopo la borsa di studio?

L’obiettivo primario dopo la borsa di studio è di applicare rapidamente le competenze e le conoscenze raccolte durante l’anno di borsista, preferibilmente assumendo una posizione nel settore pubblico o parapubblico. Idealmente, la mia professione dovrebbe contenere una parte preponderante di attività analitiche/ricerca e di relazioni umane in un ambiente favorevole al plurilinguismo o orientato verso le relazioni internazionali. Una professione che faccia da ponte tra la scienza e la politica potrebbe rispondere alle mie aspettative. Un obiettivo professionale alternativo sarebbe quello di svolgere la professione nel campo dell’insegnamento.

Was sind Ihre beruflichen Ziele nach dem Stipendium?

Mein primäres Ziel ist es, die im Stipendienjahr gewonnenen Kenntnisse und Fähigkeiten unmittelbar anzuwenden, vorzugsweise in einer Anstellung im öffentlichen oder halböffentlichen Sektor. Idealerweise sollten Recherchetätigkeiten und der Austausch mit anderen Menschen dabei eine wichtige Rolle spielen. Ich würde gerne in einem mehrsprachigen Umfeld arbeiten, oder im Bereich der internationalen Beziehungen. Ein Beruf, der Brücken zwischen Wissenschaft und Politik schlägt, würde meinen Erwartungen entgegenkommen. Ein Alternative wäre eine Karriere im Bereich der Lehre.